Zu viel des Guten

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27. März 2017

Vor sieben Jahren bin ich aus dem Turnierhundesport ausgestiegen. Aufwärmen, Dehnen oder sonstige Übungen um die Beweglichkeit oder Koordination zu schulen, wurden damals einfach überbewertet. Man fuhr auf sein Turnier, rannte seinen Parcours und fuhr wieder nach Hause. Damals hatte ich mir keine großen Gedanken gemacht, doch das letzte Turnier lehrte mich eines Besseren.

Vor Finn hatten wir einen Altdeutschen-Schäferhund-Mix namens Rocky. Dieser forderte wirklich unsere Nerven und unsere Aufmerksamkeit. Mit ihm fing ich an im Hundesportverein THS zu machen um ihn „artgerecht“ auszulasten. Drei Mal die Woche Training auf dem Hundeplatz waren da keine Seltenheit. Hinzu kamen die Turniere, welche ich eigentlich fast jedes Wochenende in ganz Deutschland besuchte. Montags war ich dann völlig platt und müde kaum aus dem Bett zu bekommen. – Hauptsache, der Hund war glücklich.

Na ja im Nachhinein denke ich darüber anders – doch dazu später mehr

Wir waren ein erfolgreiches Team im CSC und gewannen diverse Meisterschaften. Ich es machte mir unheimlich viel Spaß mit unserem Hund zu trainieren und auf Turniere zu gehen und unser Können zu zeigen. Ich dachte, dass ich DIE Auslastung für unseren Wirbelwind gefunden hatte. Rocky stand ständig unter Strom. Er hatte knapp 33 kg, eine super Figur, aber war leider von Beginn an mit einer chronischen Magenschleimhautentzündung „gesegnet“. Für ihn war das nie eine Einschränkung und er war ein Hund, der arbeiten wollte.

Leinenruck oder sonstige Maßnahmen den Hund stark zu strafen waren NIE meine Gebiete. Ich hielt mich aus dem Ganzen heraus, da man auf ein junges Mädchen wie mich sowieso nie hörte oder man eben zur Antwort bekam, dass man so eben trainierte. Zum Glück lehrte mich Ziemer und Falke später dann in meiner Ausbildung eine ganz andere Art der Hundeausbildung… Hätte ich das mal früher gewusst.

Artgerechte Auslastung?! Nicht wirklich

Um meinen Hund eben auszulasten fuhr ich drei Mal die Woche auf den Hundesportplatz. Dort wurde die Unterordnung und THS trainiert. Ab und zu liefen wir uns vor dem Training warm, das wars dann aber auch schon. Am Platzrand warten und den anderen Hunden zuschauen? Von wegen! Bellen und ziehen waren der Alltag. Anstatt meinen Hund auszulasten, fuhr ich ihn noch mehr hoch ohne es zu wissen… Am Start dann kein Halten mehr. Ich konnte ihn gerade noch ableinen, schon schoss er gegen die hohe A-Wand (die es mittlerweile gar nicht mehr gibt?! soweit ich weiß)

Wieso ich aus dem THS ausgestiegen bin? Zum einen, da Rocky auf der Deutschen Meisterschaft sich einen Wirbel ausrenkte [ Aufwärmen und Dehnen wurde ja überbewertet] wir dann von Nürnberg nach unserem Lauf sofort nach Hause gefahren sind [da auf der Deutschen Meisterschaft natürlich kein Tierarzt war] und zum anderen, da unser Hund sich in einem Zustand befand, wo er kaum noch ansprechbar war und einfach nur noch rennen wollte. An den Start mit lockerer Leine zu laufen? Undenkbar! Ich musste ihn jedes Mal mit einem strengen „Kommando“ Fuß an den Start führen. Dort leinte ich ihn ab und sobald meine Hand zum Halsband ging, war er nicht mehr zu Halten. Nur doof, wenn man Sektion 3 im CSC hat und 2 weitere Läufer aus seiner Mannschaft vor einem den Parcours absolvieren mussten.

Sich mit ihm in Ruhe an den Rand zu setzen ging nicht, er drehte einfach völlig durch. Eigentlich wollte ich ihn mit diesem Sport auslasten und müde machen, doch auf einem Turnier war Ruhe einfach nur undenkbar. Ich weiß nicht wie es heute ist, dennoch hoffe ich das sich die Zeiten geändert haben und der Hund nun endlich lernt im Training und auch auf Turnieren runterfahren und er sich entspannen kann. Ja, die Zeit war toll und hat Spaß gemacht, dennoch denke ich heute anders darüber. Es kam mir immer mehr, als wären unsere Hunde nur noch Sportgeräte. Kaum ein Hund konnte sich ohne Gebell ins Zuschauerstadion setzen. Kein Hund konnte entspannen. Die Hunde waren in ihrem Sport gut, doch im Alltag die reinste Katastrophe, obwohl wir sie doch so gut „ausgelastet“ haben.

Im Nachhinein ist man immer schlauer

Je mehr ich darüber schreibe, desto mehr häuft sich mein schlechtes Gewissen, es früher nicht besser gewusst zu haben. Diesen Sport wie früher würde ich in solch einem Ausmaß und nie wieder betreiben. Zu viele schlechte Erfahrungen hatte ich damit gemacht. Was ich heute ändern würde? Alles…
Und ich möchte hier auf gar keinen Fall Turnierhundesport, Agility oder sonstigen Sport mit dem Hund schlecht reden. Es macht total viel Spaß sich mit seinem Hund zu beschäftigen und gemeinsam ein Hobby auszuüben. Allerdings mit Maß und Ziel! Und sind wir mal ehrlich, unsere Hunde würden das ja eigentlich gar nicht benötigen. Klar machen sie mit weil wir und sie daran Spaß haben, aber für die meisten Hunde ist das einfach nur purer Stress… Deshalb achte auf deinen Hund und schaue ganz genau hin, was ihm Spaß macht oder eben nicht. Du darfst einen Hund gerne fordern, aber nicht ÜBERfordern! Auch im Hobby sollte dein Hund runterfahren und sich entspannen können.

Wie ich meine Hunde „artgerecht“ auslaste

Ich für meinen Teil, mache mit meinen Hunden gerne Nasenarbeit. Ich arbeite auch gerne mit ihnen im Bereich Degility. Dies fordert die Konzentration und Koordination. Aber so wirklich „auslasten“ mache ich mit Spaziergängen [und da meine ich einfach nur spazieren gehen ohne Training], mit Kuscheln, Bürsten und einfach nur dabei sein. Ihnen Sicherheit geben und Vertrauen aufbringen. DAS ist für meine zwei die schönste Art, sie auszulasten.