Blick zurück…

[WERBUNG Orbiloc]
5. Februar 2017
Die schlimmste Zeit meines Lebens
21. Januar 2017

Finn hat die Magendrehung gut überstanden. Allerdings musste er zur Beobachtung noch in der Tierklinik bleiben.
Drei Tage ohne Finn, waren für mich sehr einsame und nachdenkliche Stunden und Minuten. Zum Glück konnte ich mir kurzfristig Urlaub nehmen, denn an Arbeit war überhaupt nicht zu denken. Alle Termine wurden abgesagt und auch sonst war ich fast nicht zu erreichen. Meine Wünsche galten in jeder Sekunde Finn und umso dankbarer war ich, als er endlich nach Hause durfte.

In der Klinik teilte man uns mit, was er darf und was er lieber lassen sollte. Eine große Ration Dosenfutter wurde eingepackt, so dass Finn nach der OP bestens mit Schonkost versorgt war. Zu Hause angekommen merkte man ihm die Strapazen an. Er war noch etwas schwach auf den Pfoten unterwegs, aber im Großen und Ganzen sah er sehr zufrieden aus.

Am nächsten Tag fuhren wir zu unserem Tierarzt, denn jetzt stand die Nachbehandlung auf dem Plan. Er war sehr zufrieden mit der Arbeit der Kollegen und meinte, dass Finn sich super schlägt und bald wieder ganz der Alte ist.
Ja, das waren auch meine Gedanken, doch Finn lehrte uns eines besseren.

Zwei Wochen waren wir jeden Tag, mindestens 1 Mal beim Tierarzt! Finn vertrug die Medikamente nicht und bekam sie jeden Tag gespritzt. Des Weiteren wollte er den Dosenfras aus der Klinik nicht mehr essen, weshalb wir dann selbst für ihn kochten. Damit er das Essen auch verträgt, bekam er Säure-Blocker für den Magen. Das war aber noch nicht alles, denn das schlimmste war, dass Finn jeden Tag erhöhte Temperatur hatte. Außerdem nässte die Wunde an seinem Bauch so sehr, dass er T-Shirts mit Einlagen tragen musste, die wir fast stündlich wechselten… Eine gute Wundheilung sieht anders aus…

Nach zwei Wochen reichte es auch dem Tierarzt. Die Vermutung war, dass Finn die inneren Fäden nicht verträgt. Die Fäden wurden benutzt um den Magen anzunähen. Eigentlich sollten sich diese auflösen, nur manchmal gibt es Schwierigkeiten, wenn der Hundekörper diese abstoßt. Was machen? Nochmal operieren! Wieder kreisten meine Gedanken darum, ob wir das nicht schon viel früher hätten tun sollen?! Ständig kamen neue Probleme auf, sodass ich die Tierarztpraxis nicht mal mehr von außen sehen konnte…

Der Tierarzt versicherte uns, dass dies nur eine kleine Operation werden würde. Die Fäden würden einfach ausgetauscht werden und dann können wir Finn gleich wieder mit nach Hause nehmen. Na ja so einfach war das leider dann doch nicht. Nach einer halben Stunde kam der Arzt zu meinen Eltern und meinte “ Das wird alles wohl etwas länger dauern“… Der komplette Bauchraum hatte sich entzündet und war voller Eiter. JA – er vertrug die Fäden wirklich nicht?!

Die Tierärztin operierte zwei Stunden. Machte den kompletten Bauchraum frei von Eiter und versuchte den Magen wieder neu anzunähen. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Hatte dieses arme Tier denn nicht genug Leid erfahren? Was soll dass, das er jetzt nicht mal die Fäden verträgt?! Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte Finn dann endlich wieder nach Hause. Und ich muss zugeben, er war Fit wie ein Turnschuh?! Aus der Praxis raus, bellte er schon die erste Katze an. So fit war er nach der ersten OP nicht gewesen.

Die zweite Wundheilung verlief wie im Traum. Klar musste er weitere zwei Wochen Medikamente nehmen, die vertrug er sogar plötzlich in Tablettenform. Es waren nur noch zwei weitere Kontrollbesuche beim Tierarzt notwendig. Er hatte kein Fieber mehr, die Wunde heilte wunderbar und zu ohne zu nässen. Finn verhält sich seitdem wie ein junger Hund. Er ist topfit und sein Blick sagt mir jeden Tag wie glücklich er ist. Keinen Tag hat er in Frage gestellt. Er hat jeden Tag so genommen wie er kam. Er zeigte sich immer von der besten Seite, so dass ich mir am wenigsten Sorgen machte. Er kämpfte jeden Tag um immer mehr der alte und doch „neue“ Finn zu werden. Das wichtigste für mich zu sehen war, dass er in keiner Sekunde gezweifelt oder aufgegeben hat. Ich kann mir nur ein Beispiel, an solch einem starken und mutigen Hund nehmen, der das Leben wirklich jeden Tag aufs neue schätzt…

Diese Situation hat mich gelehrt dankbar zu sein, für alles was ich mit meinen Hunden auf der Welt erleben darf. Dankbar zu sein, dass ich meine Traumberuf verwirklicht habe, dankbar zu sein, dass es uns gut geht und wir Gesund sind und ich mich in solchen Situationen zu tausend Prozent auf mein Gefühl verlassen kann. Diese Zeit war die schlimmste meines Lebens, doch sie WAR. Sie liegt in der Vergangenheit und diese kann und will ich akzeptieren. Ich habe mir fest vorgenommen das Leben so wie Finn zu sehen. In der Gegenwart zu leben und die Vergangenheit zu akzeptieren. Jeden Tag das Beste aus unserem Leben zu machen und glücklich und dankbar für das zu sein, was uns jeden Tag widerfährt.

Ich wollte ein letztes Mal in die Vergangenheit reisen und das schlimmste Erlebnis meines Lebens bewusst zu reflektieren! Ich wollte darüber schreiben, um es besser verarbeiten zu können und meinen Gefühlen freien lauf lassen. Du fragst dich, was ich dir mit diesem Eintrag wohl sagen möchte und was für einen Nutzen du daraus ziehen kannst?

Nimm jeden Tag so wie er kommt. Alles hat einen Sinn, auch wenn wir ihn nicht gleich verstehen. Du kannst dich so unendlich glücklich schätzen einen Hund, an deiner Seite zu haben. Nimm das wahr! Und auch wenn dein Hund noch nicht perfekt an der Leine laufen kann oder sonstige Macken aufzeigt, dann sei dennoch dankbar und begegne ihm jeden Tag mit Respekt. Erziehung und eine liebevolle Führung ist wichtig in der Hundeerziehung, dennoch kannst du 5 auch mal gerade sein lassen. Liebe, Respekt und Vertrauen stehen für mich an oberster Stelle, dann kommt die Erziehung von ganz allein…